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Prestigedenken in Russland

Ein Kulturstandard, der in Russland häufig zu finden ist, ist das Prestigedenken. Dem Erwerb und der Präsentation von Statussymbolen wird dabei nicht nur große Bedeutung beigemessen, es wird sogar erwartet. Jemand, der sich teure Anschaffungen leisten kann, dies aber nicht tut, kann unter Umständen im Sinne des Prestigedenkens nicht ernst genommen werden. Oder anders gesagt: Falsche Bescheidenheit kann in Russland als Schwäche ausgelegt werden. Aus diesem Grund wird tendenziell großer Wert auf Statussymbole gelegt. Teure Autos, große Villen, wertvoller Schmuck; all dies sind sichtbare Zeichen des Erfolges und damit auch der Wertschätzung des Besitzers.

Das war allerdings nicht immer so! Zur Zeit der Sowjetunion sollte sich kein Bürger aus der Masse, dem Kollektiv, hervorheben. Da teure Produkte sowieso nicht zu erstehen waren – zumindest für die Normalbürger – stellte dies auch kein Problem dar. Mit Einzug des Kapitalismus änderte sich dies jedoch radikal. Die Gründe dafür mögen in den verborgenen Wünschen vieler Russen liegen, etwas Besonderes zu besitzen. Auch der damit zum Ausdruck gebrachte Einfluss spielt eine wichtige Rolle. 

Wundern Sie sich also nicht, wenn Geschäftskollegen ihre Besitztümer anpreisen und gerne von ihnen erzählen. Damit wollen sie ihre Bedeutung hervorheben. Ihnen soll das vermitteln, dass Sie, indem Sie vermeintlich zu dieser „privilegierten“ Gruppe zählen, ebenfalls als wichtige Person wahrgenommen werden.

Was heißt das für Sie? Scheuen Sie sich nicht, von den Qualitäten Ihres [deutschen] Autos zu schwärmen oder die gute Lage Ihres Ferienhauses zu erwähnen. Auch wenn das nicht zwingend der Fall ist oder die besagten Luxusgüter gar nicht existieren – Sie werden damit Ihr Ansehen steigern können!

8.5.13 09:46

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Geraldina (8.5.13 13:02)
Interessanter Beitrag! Habe mich schon immer ein wenig über diese protzige Ausstaffierung besonders der russischen Frauen gewundert. Allerdings frage ich mich, ob diese Einstellung sich nur auf Besitztümer bezieht oder auch auf die Menschen, die diese Dinge besitzen. Ich erinnere mich an eine ehemalige russische Arbeitskollegin, die erzählte, dass sie erhebliche Schwierigkeiten habe, in Vorstellungsgesprächen zu bestehen, da es ihr schwer fällt, sich selbst und ihre Fähigkeiten in bestem Lichte darzustellen. Sie sei das nicht gewohnt, in Russland sei man bescheiden ...

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